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Planern und ausführenden Firmen ein verlässliches Regelwerk an die Hand geben

Wer etwas baut, kann dies nicht nach Gutdünken tun: Regeln und Vorschriften sollten tunlichst eingehalten werden, denn es geht beim Bauen meistens auch um die Sicherheit. Rückrufaktionen mag es bei Toastern, Backvollautomaten oder Autos geben – bei Brücken, Konzerthallen und Wohnhäusern gibt es sie nicht. Und obendrein soll das, was wir heute bauen, auch noch Jahrzehnte, im Idealfall Jahrhunderte halten.

Neue Baustoffe haben es da schwer, denn für sie gibt es keine oder nur wenig Erfahrung und demzufolge auch keine Regeln. Und ohne Regeln sollte, siehe oben, nicht gebaut werden! Wie also herauskommen aus dieser Klemme?

Beim Bau haben sich in Deutschland mehrere Verfahren bewährt. Da gibt es die „Zustimmung im Einzelfall“, bei der das Material und seine Bauweise im Labor geprüft werden. Die weltweit erste Brücke aus Textilbeton für die Landesgartenschau in Oschatz hat diesen Prozess durchlaufen, sie wurde zweimal gebaut: Einmal, quasi als allererste Brücke, nur fürs Labor: Im Dresdner Otto-Mohr-Laboratorium wurde sie wochenlang auf Herz und Nieren geprüft (und bestand alle Prüfungen mit Bravour weit über den Erwartungen, denn trotz aller Simulationskünste der Wissenschaftler und ihrer Computer ist nichts realer als die Wirklichkeit).

Den zweiten Weg beschreiten die TUDAG und der TUDALIT-Verband jetzt: Sie streben die „Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für ein Verfahren zur Verstärkung von Stahlbeton mit TUDALIT® (Textilbewehrter Beton)“ an, die dann wie eine Vorschrift für alle gilt, die nach diesen Regeln in TUDALIT®-Qualität bauen.

Partner der Antragsteller ist dabei das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt). Diese gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Länder zur einheitlichen Erfüllung bautechnischer Aufgaben auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts ist die einzige deutsche Zulassungsstelle für Bauprodukte und Bauarten.

Allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen werden für solche Bauprodukte und Bauarten erteilt, für die es allgemein anerkannte Regeln der Technik (wie zum Beispiel DIN Normen) noch nicht gibt. Sie sind zuverlässige Verwendbarkeitsnachweise von Bauprodukten bzw. Anwendbarkeitsnachweise von Bauarten im Hinblick auf bautechnische Anforderungen an Bauwerke.

Das Verfahren ist nicht unaufwändig und dauert erfahrungsgemäß mindestens zwei Jahre, in denen in einem permanenten Dialog zwischen Antragstellern (TUDAG/TUDALIT) und dem DIBt geprüft, gerechnet und nachgewiesen wird. Am Ende dieses Prozesses, der für die Antragsteller mit nicht geringen Kosten für Prüfungen und Nachweise verbunden ist, steht dann die Zulassung.

Und dann? „Mit der Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung geben wir Planern und den ausführenden Firmen ein Regelwerk an die Hand, auf das sie sich berufen können. Verstärkungen mit TUDALIT® sind dann ohne die jetzt noch erforderlichen Genehmigungen im Einzelfall machbar und daher von der Zeit- wie von der Kostenseite besser kalkulierbar“, sagt Dr.-Ing. Silvio Weiland, Leiter des Deutschen Zentrums Textilbeton und Geschäftsführer des TUDALIT-Verbands.

Links:
http://www.dibt.de
http://tudag.de
http://textilbetonzentrum.de

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