Die Sanierung des Mariendoms in Neviges mit carbonbewehrtem Spritzmörtel





Ansicht der instandgesetzten Sakramentskapelle und der verwendeten Carbonbewehrung solidian GRID Q85/85-CCE-21
Foto: solidian GmbH

Die großartigen Betonbauten im Stil des Brutalismus der 1950er – 1970er Jahre haben weltweit eine ganze Epoche geprägt. In ihrer rohen, direkten und herben (brût, franz.) Bauweise haben sie einen ganz eigenen, ehrlichen Charme, der eine neue Ethik in der Architektur verkörpert. Einer der bedeutendsten Zeitzeugen dieser Epoche ist der von Gottfried Böhm entworfene und 1968 fertiggestellte Mariendom in Neviges. Die berühmte Wallfahrtskirche birgt Platz für über 2.500 Besucher. Die räumliche Faltkonstruktion des monumentalen Kirchendachs erscheint wie eine überdimensionale Zeltstadt mit vielfältig geneigten Betonflächen, Spitzen und Kanten. Die Wände und Decken dieser monolithischen Betonkonstruktion sind fest miteinander verbunden. Die äußere Form des Daches gleicht einem Origamikunstwerk und verkörpert sinnbildlich das „Unterwegs-Sein“ auf einer Pilgerreise.

Diese brutalistischen Bauwerke sind nun in die Jahre gekommen, vielfach sanierungsbedürftig oder teilweise vom Abriss bedroht. Zur Erhaltung des Mariendoms wurde daher mit einem Expertenteam, bestehend aus Instituten der RWTH Aachen, der solidian GmbH und der Torkret GmbH, ein spezielles Sanierungskonzept entwickelt. Der Tatsache geschuldet, dass aufgrund der komplizierten Gestaltung des Daches keine genauen statischen Berechnungen durchgeführt werden konnten, sind im Laufe der Zeit wasserführende Risse im Beton entstanden, die zu Schäden führten. Das Sanierungskonzept mit carbon­bewehrtem Spritzmörtel sieht vor, die Rissverteilung so fein zu halten, dass ein Wasserdurchtritt unterbunden wird und ein Selbstheilungsprozess stattfinden kann. Mit dem Know-how von solidian wurde dafür eine spezielle Carbonbewehrung entwickelt. Um den starren Verbund zum Mörtel zu erzielen, wurde die Bewehrung solidian GRID besandet. Nur dadurch konnte das feine Rissbild erreicht werden. 

Bei dem Instandsetzungskonzept für den Mariendom wird eine flächig applizierte Mörtelschutzschicht mit einer Dicke von 28 mm und der zweilagigen besandeten Carbonbewehrung auf den Dachaußenflächen aufgebracht. Zusätzlich wird eine äußere Mörteldecklage aufgetragen, so dass die Gesamtdicke des Schutzsystems ca. 35 mm beträgt. Mit der textilbewehrten Schutzschicht sollen die sich z. B. aus Temperaturbeanspruchung zyklisch öffnenden Einzelrisse im Stahlbetondach in ein fein verteiltes und damit unschädliches Rissbild im Instandsetzungsmörtel überführt werden. 

Das Sanierungskonzept sieht vor, den Riss mit einem 18 cm breiten Enthaftungsstreifen vorzubehandeln, damit sich der Einzelriss nicht durch die Schutzschicht fortsetzt, sondern sich im Enthaftungsbereich auf viele kleinere Risse verteilt. Der Verbund des Spritzmörtels zum Altbeton des Doms wird durch Adhäsion realisiert. Die besandete Carbonbewehrung solidian GRID Q85/85-CCE-21 wird während der Herstellung lagenweise eingebaut, wodurch der Verbund zum Mörtel und damit das feine Rissbild sichergestellt ist. Zum Abschluss erfolgt der Auftrag der letzten Deckschicht und eine Hydrophobierung. Aus optischen und gestalterischen Gründen wurde die Oberfläche der carbonbewehrten Schutzschicht zusätzlich mit einer farbig pigmentierten, in der Oberfläche bearbeiteten Deckmörtelschicht versehen.

Die beispielhafte Sanierung des Gebäudes hat an der Dachfläche der Sakramentskapelle begonnen und wird nun sukzessiv fortgesetzt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Aufgrund der intelligenten Kombination von innovativen Materialien in einem durchdachten Verbundwerkstoffsystem mit einem umfassenden technischen Fachwissen konnte ein komplexes Projekt erfolgreich realisiert werden. Es kann dabei auch dem Wunsch von Gottfried Böhm entsprochen werden, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Architektur zu erhalten. 

Beteiligt an der Entwicklung und der Durchführung des Sanierungskonzeptes sind als Bauherr das Erzbistum Köln, die Planer Böhm Architekten, das ausführende Unternehmen Torkret GmbH, das Institut für Baustoffforschung ibac und das Institut für Massivbau IMB der RWTH Aachen University und die solidian GmbH als Hersteller der Carbonbewehrung.

[Quelle: Sergej Rempel, solidian]

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